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Inkontinenz



Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Blasenschwäche (Harninkontinenz) oder Darmschwäche (Stuhlinkontinenz) leiden, d.h. jeder 8. (!) Bundesbürger ist mehr oder weniger stark betroffen.
Inkontinenz kann in jedem Lebensalter und in allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen auftreten. Der Anteil der Frauen überwiegt jedoch deutlich, auch steigt mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit, an Inkontinenz zu erkranken.
Besonders auffallend ist, dass fast 2/3 aller Betroffenen zu diesem Thema schweigen, obwohl das Inkontinenzleiden ihr tägliches Leben stark beeinträchtigt, teilweise sogar den Tagesablauf bestimmt.
Im Hinblick auf die sehr guten Möglichkeiten, die Inkontinenzerkrankung nach genauer Diagnose in den Griff zu bekommen, stellt sich die Frage, warum es immer noch so viele Menschen gibt, die nicht den Mut haben, dieses Thema mit ihrem Arzt zu besprechen.


Inkontinenzformen


Die Belastungsinkontinenz (früher auch Stressinkontinenz genannt) ist die am häufigsten anzutreffende Inkontinenzerkrankung.
Hier kommt es zu Urinverlust bei körperlicher Anstrengung, z.B. beim Husten, Niesen, Lachen, Treppen steigen oder beim Heben schwerer Gegenstände.
Ursache hierfür ist meist eine geschwächte Muskulatur des Beckenbodens und des Verschlusssystems der Harnröhre, möglicherweise bedingt durch Operationen, Geburten oder auch durch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren.
Bei Männern ist häufig die Operation an der Vorsteherdrüse (Prostata) Auslöser für den unfreiwilligen Harnverlust.

Die Dranginkontinenz, auch Urgeinkontinenz genannt, findet ihre Ursache in einer überaktiven Blase. Typisches Kennzeichen für diese Erkrankung ist ein plötzlich auftretender, nicht beherrschbarer Harndrang. Obwohl oft nur kleinste Mengen Urin ausgeschieden werden, wird die nächste Toilette meist nicht mehr rechtzeitig erreicht.
Recht häufig ist auch eine Mischform aus beiden oben beschriebenen Inkontinenzformen, die sogenannte gemischte Belastungs-/Dranginkontinenz.

Neben den besprochenen Formen der Blasenschwäche stellt die Darmschwäche, auch Stuhlinkontinenz genannt, die Betroffenen ebenfalls vor große Probleme.
Bei der Stuhlinkontinenz ist keine kontrollierte Darmentleerung mehr möglich.
Häufige Ursache sind Verletzungen des muskulären Verschlussapparates nach Geburten, Operationen oder einfach nur Schwächungen der Verschlussmuskulatur.

Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Formen der Inkontinenz, auf die jedoch wegen ihres vergleichsweise seltenen Vorkommens hier nicht näher eingegangen wird.


Diagnose


Der Arzt stellt die Inkontinenzerkrankung meist schon durch einfaches Befragen fest. Ein weiterer Schritt ist die Untersuchung des Urins, um mögliche Infektionen festzustellen. In Einzelfällen sind weitere Spezialuntersuchungen mit Hilfe modernster Technik nötig.



Therapiemöglichkeiten


Es gibt eine Vielzahl an Therapiemöglichkeiten, fast alle mit guten Aussichten, Patienten von der Inkontinenzerkrankung zu befreien oder zumindest eine spürbare Besserung herbeizuführen.

Bei der Therapie der Belastungsinkontinenz steht die Kräftigung des Verschlusssystems der Harnröhre und der umgebenden Beckenbodenmuskulatur im Vordergrund.

Sollte die Ursache für eine Stuhlinkontinenz in einer Schwäche des Schließmuskels oder des Beckenbodens begründet liegen, kann auch hier die Behandlung mit therapeutischen Strömen oder mit einem Biofeedback-System sinnvoll sein.

Die Behandlung der Dranginkontinenz kann ebenfalls mit Hilfe von therapeutischen Strömen, welche die überaktive Blase beruhigen und somit dafür sorgen, dass der für dieses Krankheitsbild typische plötzliche Harndrang und der häufig damit einhergehende Urinverlust unterbleiben.

Zusammenfassend lassen sich die Vorteile der Behandlung mit therapeutischen Strömen und mit Biofeedback wie folgt beschreiben:

  • nebenwirkungsarm
  • die Therapie bekämpft die Ursachen, nicht nur die Symptome
  • sehr gute Erfolgsaussichten bei regelmäßiger Anwendung
  • bei entsprechender Diagnose durch den Arzt werden die Kosten in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen

 

 

Medikamentöse Therapie

 

Relativ neu auf dem Markt ist ein Medikament, das Patienten mit Belastungsinkontinenz helfen soll. Dieses Medikament soll lt. Herstellerangabe einen stärkeren Verschluss der Harnröhre während der Harnspeicherungsphase bewirken und somit das unbeabsichtigte Entweichen von Harn bei körperlicher Belastung reduzieren.
Die Wirkungsweise ist jedoch noch nicht vollständig geklärt und es wird von teilweise starken Nebenwirkungen berichtet.
So sollen die therapierten Frauen häufig unter Übelkeit und Schlaflosigkeit leiden.

Bei Dranginkontinenz hingegen werden fast immer so genannte Anticholinergika (entkrampfende Medikamente) eingesetzt.
Diese Medikamente greifen in den Regelkreis zwischen Nerven und Blasenmuskel ein. Sie sorgen dafür, dass sich die überaktive Blase beruhigt. Die Substanzen, die von den Nerven abgegeben werden und den Blasenmuskel veranlassen, sich zusammenzuziehen, werden durch die Medikamente blockiert, der Blasenmuskel erschlafft und das Fassungsvermögen wird vergrößert.
Zu ihren möglichen Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, unregelmäßiger Pulsschlag, Verstopfung.

Grundsätzlich jedoch ist allen medikamentösen Therapieformen eines gleich:
Die Erkrankung, gerade nach Absetzen der Medikamente, bleibt bestehen.



Nichtmedikamentöse Behandlungsformen

 

Beckenbodentraining

Die Beckenbodenmuskulatur als Teil des Verschlussapparates von Blase und Darm kann willkürlich beeinflusst werden. Unter fachlicher Anleitung können Kräftigungsübungen erlernt und später selbstständig ausgeführt werden.

 

Reizstrombehandlung

Ungefährliche Ströme, die über Elektroden oder Sonden in Scheide bzw. Enddarm abgegeben werden, aktivieren den Beckenboden- und die Blasenmuskulatur. Das Bedienen der Geräte ist leicht zu erlernen. Die Behandlung ist frei von Nebenwirkungen, kann in Kombination mit der Beckenbodengymnastik eingesetzt werden und eignet sich hervorragend für die Heimtherapie.

 

Biofeedback - Therapie mit dem Sphinktertrainer

Der Sphinktertrainer ist ein Gerät zum Training des Darmschließmuskelapparates. Eine in den Darm eingeführte Sonde misst die Schließmuskelspannung und gibt dem Patienten eine Rückmeldung. So kann der Betroffene selbst kontrollieren, ob seine Übungen richtig durchgeführt werden. Der Sphinktertrainer wird in Kombination mit dem Beckenbodentraining und u. U. auch mit der Reizstromtherapie eingesetzt.


(Quelle: mit freundlicher Unterstützung von BOSANA GmbH und schwa-medico GmbH)